Zur angeblichen Klimafreundlichkeit des Gasbrenners der Flensburger Stadtwerke

Nur in Flensburg wird der CO2 Ausstoß gemindert, wenn „schmutzige“ Braunkohle durch Erdgas ersetzt wird.

Hier die gesamte Klimabilanz:

Bei der Förderung von Braunkohle entstehen zusätzliche CO2 Emissionen durch die mit fossiler Energie betriebenen Bagger der Tagebaue, dann wird die Kohle mit Küsten-/Binnenschiffen von der Lausitz oderabwärts und über die Ostsee transportiert, noch mal CO2 durch die Schiffsdiesel für die Fahrt Oder-Ostsee.

Bei der Erdgasförderung entstehen CO2 Emissionen weniger durch die Bohrer und Pumpen, viel mehr durch das dauerhafte Abfackeln des Nebenstromgases, nur entstehen diese nicht hierzulande, sondern in den Erdgasfördergebieten z. B. im sibirischen Urengoi. Für das Klima ist es aber völlig egal, wo auf der Nordhalbkugel das CO2 ausgestoßen wird, ob hier in Flensburg, ein paar hundert (Oder-Lausitz) oder ein paar tausend (Urengoi) Kilometer weiter östlich. Die CO2-Belastung durch die Erdgasförderung kommt nämlich in der Klimadiskussion nicht vor, weil die entsteht ja nicht hierzulande, sondern weit weg.

Und nun der „Hammer“, der den angenommen Vorteil des Erdgases vollends zerschlägt.

Der heißt Methan, CH4

Methan ist als Treibhausgas etwa um den Faktor 25 schädlicher als CO2. Eine Tonne freigesetzten Methan hat die Wirkung von 25 Tonnen CO2 und wenn die Molgewichte 18:44 mitgerechnet werden, ist das Ergebnis:

Ein Kubikmeter Methan hat die Wirkung von 61 Kubikmetern Kohlenstoffdioxid.

Methan wird nur bei der Erdgasförderung freigesetzt, dann noch bei den zahlreichen Leckagen in den Pipelines, nicht aber bei der Förderung der „schmutzigen“ Braunkohle.

Von Philipp Austermann kam der wichtige Hinweis: „Bei Abbau, Lagerung und Transport entweichen zwischen 1.8% und 5.8% des geförderten Erdgases. Der Treibhauseffekt über 100 Jahre ist zwischen 21x und 33x stärker als der von CO – schlimmer noch: über 20 Jahre betrachtet ist es über 80x stärker. Dabei sind gerade die nächsten 20 Jahre extrem entscheidend für die Klimawende! Die Brücke, die diese „Brückentechnologie“ beschreitet, könnte uns also geradewegs in die Klimakatastrophe führen.“

Quelle: wissenschaftlicher Dienst des Bundestages

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages zeigt auf https://www.bundestag.de/resource/blob/406432/70f77c4c170d9048d88dcc3071b7721c/wd-8-056-07-pdf-data.pdf , dass Erdgas in einem Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) mit höherem Wirkungsgrad nur etwa zwei Drittel des CO2 erzeugt wie ein Kohlekraftwerk. Rechnen wir aber nur 2 % Methanverlust mit einer nur 25fachen Treibhauseffektwirkung hinzu, dann beträgt die Summe bereits 116%. Rechnen wir 5 % Methanverlust mit 60facher Treibhauseffektwirkung, dann sind wir bei 366% im Vergleich zur Kohle. Irgendwo dazwischen liegt die Klimaschädlichkeit unseres mit Steuergeldern subventionierten Gasbrenners der Stadtwerke, das ist somit sicher höher als wenn es bei der Kohleverfeuerung geblieben wäre.

Dabei wurde zugunsten der Erdgasförderung angenommen, daß es sich um russisches Erdgas aus Urengoi handelt, das „nur“ abgepumpt wird.

Wenn nun die USA die „North Stream 2“ verhindern wollen, um uns dazu zu erpressen, daß wir US-amerikanisches Frackinggas mit gekühlten Flüssiggastankschiffen quer über den ganzen Atlantik und die Nordsee geliefert bekommen müssen, dann wird die Klimabilanz von Erdgas ganz gruselig. Die Kühlung des Flüssiggases geschieht natürlich durch fossile Energie, und wenn die Kühlanlage ausfällt, gibt es für den Kapitän nur die Wahl, das gesamte Erdgasmethan in die Atmosphäre abzulassen oder die Explosion des Tankers in Kauf zu nehmen. Schon bei der Förderung gilt: „3,6 bis 7,9 Prozent des geförderten Erdgases gehen bei der Schiefergasförderung mittels Fracking insgesamt verloren. Das sei ein Drittel bis zum Doppelten mehr als bei der Förderung von konventionellem Gas“, so der wissenschaftliche Dienst des Bundestages, siehe https://www.bundestag.de/resource/blob/416930/808896c1723c80eba8d9621ad2a7e49a/wd-8-095-14-pdf-data.pdf Die 3,6% bis 7,9%, die „verloren gehen“, entweichen natürlich in die Atmosphäre mit und steigern den Treibhauseffekt.

Die Investition von Steuergeldern in den Gasbrenner der Stadtwerke ist jedenfalls klimapolitisch kein Gewinn.

Das ist Steuergeldverschwendung aus reiner Dummheit.

Erst dann, wenn dieser Brenner mit 100% Biogas betrieben wird, wäre die CO2 Bilanz neutral, aber selbst Naturstrom hat kein 100 % Biogas im Angebot, sondern nur einen Erdgas-Biogas-Mix. Wer kennt einen 100% Biogas-Lieferanten? Am besten einen, der es aus der Biomasse von Brachland erzeugt und nicht zur „Vermaisung“ des ländlichen Raumes beiträgt.

Richtig ist, daß die Stadtwerke klimaschädlichen Großverbrauch belohnt.

Überspitzt: die armen Menschen in der „Hartz-IV-Wohnung“ bzw. die Steuerzahler, die deren Transferleistung bezahlen, subventionieren über die Grundgebühr für Trinkwasser die Befüllung der Swimmingpools der ganz Reichen! Siehe unten: https://dkpflensburg.wordpress.com/2019/11/27/die-erhohung-des-trinkwasserpreises-in-flensburg-ist-ungerecht/

Über die Grundgebühr wird die Energieverschwendung an Strom für die Großverbraucher subventioniert.

Über die Grundgebühr wird die Energieverschwendung an Fernwärme für die Großverbraucher subventioniert.

Also die Grundgebühren abschaffen und auf den Verbrauch umlegen, keine Rabatte für Großkunden, eine Kliowattstunde ist eine Kilowattsunde und bleibt eine Kilowattstunde, die für alle gleich viel kostet.

Das belohnt den sparsamen Verbrauch und das ist Klimaschutz.

Die Fernwärme war nur so lange ein Vorteil, wie man den ansonsten in die Atmosphäre abgelassenen Wasserdampf, der bei der Stromerzeugung geradezu „umsonst“ nebenbei anfällt, in die Rohrleitungen presst = Kraft-Wärme-Kopplung.

Aber ab dem Zeitpunkt, wo für die Wärmeerzeugung extra Brennstoff von den Stadtwerken verbrannt wird, hebt der Wirkungsgradverlust durch die schlecht isolierten Rohrleitungen den Klimavorteil der Fernwärme mehr als auf: dann kann ich genausogut dezentral mit Braunkohlebriketts oder Heizöl heizen, der Wärmeverlust durch den Schornstein ist geringer.

Bei einer 50 Jahre alten Kohle- oder Ölheizung gehen etwa 85 % der Wärme ins Haus und 15 % als Verlust durch den Schornstein. Moderne „Brennwertkessel“ schaffen 100%.

Von der Fernwärme der Stadtwerke kommen etwa die Hälfte der Kilowattstunden ins Haus, der Rest wärmt das Erdreich um die Rohre herum. Dort, wo die Fernwärmeleitungen liegen, haben wir eine „Fußbodenheizung“ auf Straßen und Gehwegen, da brauchen wir im Winter schon jetzt keinen Schnee mehr zu fegen.

Und wenn wir es zulassen, daß unsere Politiker so weiter machen, hat es sich mit dem Schneefegen ohnehin bald dauerhaft erledigt.

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